Attachment Parenting - Was-ist-das

Attachment Parenting

Attachment Parenting ist ein Begriff, der hier in Europa nur schwer seine Übersetzung findet. In den USA ist Attachment Parenting ein feststehender Begriff und viele werdenden Eltern begrüßen zunehmend diese Theorie. An dieser Stelle soll deshalb, um sich vorerst einmal anzunähern, eine Begriffsdefinition stattfinden.

Wird der Wortlaut eins zu eins aus dem englischen übersetzt, bedeutet dieser „bindungsorientierte Elternschaft oder Elternsein“.  Es geht also in erster Linie darum, eine Bindung zwischen Kind und Eltern zu erzeugen und den gesamten Umgang danach zu richten. Attachment Parenting verlangt somit einen Umgang, der die Bedürfnisse des Kindes mit Respekt und Vertrauen begegnet. Die Bindung zum Kind steht somit an erster Stelle, was im späteren Leben, Selbstvertrauen, Individualität und Unabhängigkeit mit sich bringt. Ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe mit dem Kind ist wichtig für die Charakterbildung. „Ein Mensch ist ein Mensch egal wie klein“. Mit diesem Verständnis entwickelt sich ein neuer Umgang mit dem eignen Kind. In diesem Zusammenhang ist es wichtig das Wesen eines Kindes zu verstehen. Ein Ausflug in die Neurobiologie kann hier Abhilfe schaffen.

Der Zusammenhang zur Neurobiologie (Gehirn)

Prof. Dr. Hübner erklärt es, um ein besseres Verständnis zu erlangen, recht passend. Alle natürlichen Systeme sind sich selbstregulierende Systeme. Auch Kinder sind sich selbst organisierende Organismen, die wir nicht erziehen können. Wir können unsere Kinder nicht zurechtbiegen, wie wir es brauchen, sondern können lediglich einen Rahmen bieten, damit eigene Erfahrungen gesammelt werden können.

Ein anschauliches Beispiel:

Wenn du dir dein Bein brichst, kann der Arzt dein Bein unmöglich Heilen. Er kann lediglich mit seiner medizinischen Heilkunst, er legt dir einen Gipsverband an, deinem Bein einen Rahmen bieten, damit die Knochenenden in einer optimalen Position liegen, um von selbst wieder zusammenzuwachsen. Unser Körper ist sich selbstregulierend und wir können nur unterstützend eingreifen. Jeder Arzt weiß, dass er nicht heilen, sondern nur die Selbstheilungskräfte unterstützen kann.

Diese Tatsache bedeutet jedoch nicht, sein Kind sich selbst zu überlassen. Bietest du deinem Kind einen vorgesehenen Rahmen, wird es eigene Erfahrungen innerhalb dieser von dir aufgebauten Struktur machen und dadurch selbst feststellen wie schön es ist Handlungen selbst zu planen, die Folgen dieser Handlungen abzuschätzen und verbundene Frustrationen auszuhalten. Es lernt sich aus dieser Erfahrung in andere hineinzuversetzen.

Attachment Parenting verfolgt den Ansatz der Selbstregulierung mit dem Fokus auf die Bindung zu den Eltern. Als Eltern sollte man sich bewusst sein, dass in den ersten sechs Lebensjahren das Kind seine Bindung aufbaut und aus neurobiologischer Sicht eine Erziehung nicht möglich ist, da wir selbst organisierende Wesen sind. Das bedeutet jedoch nicht antiautoritär, sondern einfach einen respektvollen und verständnisvollen Umgang einzuführen. Der Wortlaut Erziehung ist deshalb fehl am Platz und sollte gegen den Wortlaut "gemeinsamer Umgang oder gemeinsames Handeln" ersetzt werden."

Hier liegt auch das grundlegende Prinzip beim Stillen der Bedürfnisse. Du solltest, aus neurobiologischer Sicht, Folgendes wissen. Das Gehirn ist ausschließlich, und das sollte unbedingt begriffen werden, in der Lage zu Speicher, wenn Dinge mit einer positiven Emotion verbunden sind. Dies ist ein neurobiologischer Fakt, der vor vielen Jahren noch falsch interpretiert wurde. Heute wissen wir also, dass wenn Bedürfnisse gestillt werden, das Baby, Kleinkind oder Kind aus seiner tiefen Trauer befreit wird. Nur so ist es in der Lage glücklich und zufrieden die Welt selbst zu entdecken. Positive Emotionen und Vertrauen in die Bindungsperson sind dann dafür verantwortlich, dass dein Kind Dinge aufnimmt und erlernt.

Dies verhält sich bei uns Erwachsenen übrigens absolut genauso. Unser Gehirn ist ausschließlich in der Lage zu lernen und zu wachsen, wenn das zu erlernende mit einer Emotion, einem positiven Bauchgefühl, verbunden ist. Dies ist ein Fakt aus der Neurobiologie, der schon lange bekannt ist. Mit diesem Grundverständnis wird schnell klar, dass Zwänge, Bestrafung und „Erziehungsmaßnahmen“ keine Früchte tragen werden.

Gerald Hüther - Starke Eltern starke Kinder

In diesem Video erklärt Professor Hüther die neurobiologischen Zusammenhänge.

Woher kommt Attachment Parenting

Der Begriff „Attachment Parenting“ wurde vom amerikanischen Kinderarzt William Sears geprägt. Auch der Begriff „gentle Parenting“ findet in den USA anklang. Mit einer tief greifenden Philosophie über Bindungsprozesse zwischen Eltern und Kind begann zuvor der britische Psychologe John Bowlby das Thema einer verstärkten Bindung innerhalb der Familie zu vertiefen. Er selbst erfuhr keine Bindung zu seinen Eltern, da sein Vater sehr früh verstarb und seine Mutter ein distanziertes Verhältnis für angebracht hielt. 1970 wurde dann der Begriff Attachment Parenting geboren. Willam Sears, der mehrere Jahre mit der Forschung zum Thema Bindung zwischen Eltern und Kind verbrachte, stellte grundlegende Verhaltensideale auf:

Der erste Kontakt nach der Entbindung

Das Baby sollte unmittelbar nach der Geburt in Hautkontakt mit der Mutter gebracht werden. Augenkontakt spielt eine große Rolle. Bei einem Kaiserschnitt soll das Baby trotzdem so schnell es geht den Kontakt zur Mutter finden.

Zeichen und Bedürfnis

Eltern sollten sehr aufmerksam den Zeichen des Nachwuchses folgen, um die Bedürfnissen des Kindes zu stillen. Das Stillen von Bedürfnissen ist einer der wichtigsten Bestandteile von Attachment Parenting und wichtig für ein zufriedenes und glückliches Dasein. Schrein lassen ist ein Hilferuf und sollte immer zu einer sofortigen Reaktion der Eltern führen.    

Stillen

Die Natur hat das Stillen nicht nur zur Nahrungsaufnahme bereitgestellt. Der Kontakt und Bindungsaufbau zur Mutter ist ein sehr wichtiger Bestandteil im Bindungsprozess. Der Haut und Augenkontakt beim Stillen sollte unmittelbar nach der Geburt gestartet werden und solange durchgeführt werden, wie das Gefühl von Mutter und Baby es zulässt. Es sollte immer nach Bedarf des Babys gestillt werden.

Nähe und Körperkontakt

Der Körperkontakt ist elementar für den Bindungsprozess zwischen Mutter und Baby aber auch zwischen Vater und Baby. Berühren, Streicheln, Massieren, aber auch das Tragen nach Bedarf des Kindes ist für eine starke Bindung unabdingbar. Getragen werden sollten Babys bis weit ins Kleinkindalter, wozu Tragetücher und Slings dienlich sein können. Körperkontakt gehört zu den Grundbedürfnissen eines jeden Kindes.  

Enge Bindung in der Nacht

Das Baby schläft am liebsten in der Nähe der Eltern. Dies wird im englischen auch Cosleeping genannt. Der Körperkontakt und die Nähe der Eltern in der Nacht bewirken ein Gefühl der Geborgenheit. Dies ändert sich im Erwachsenenalter nicht. Auch wir schlafen am liebsten mit unserem Partner gemeinsam, um der Einsamkeit entgegenzuwirken. Wenn die Familie sich ein Bett teilt, sollten in jedem Fall an die richtigen Sicherheitsvorkehrungen gedacht werden, um die Sicherheit für das Baby zu gewährleisten.

Positiv verbessern mit Respekt

Ein Kind, was nicht das vorgesehene Verhalten an den Tag bringt, sollte niemals mit Aggression und Wut begegnet werden. Kinder probieren die Welt aus. Es liegt bei den Eltern mit Respekt und auf Augenhöhe dem Kind, anhand von positiven Impulsen, den Weg zu weisen. Die Reaktion auf unerwünschtes Verhalten sollte stets respektvoll sein und ins positive verbessert werden. Kinder lernen von alleine, wenn sie mit Respekt behandelt werden.   

Keine Trennung von der Mutter

Kinder sollten nicht über einen längeren Zeitraum von der Mutter getrennt sein. Der Bindungsprozess ist sehr sensibel und Bedarf viel Zeit und Geduld. Das ständige Zusammensein macht aus der Mutter die Bindungsperson, die von jedem Kind benötigt wird. Kinder benötigen eine starke Bindungsperson, um über das Vertrauen zu lernen. 

Intakte Familie

Vieles funktioniert innerhalb einer ausgeglichenen Umgebung. Leben die Eltern in einem intakten und ruhigen Verhältnis, bekommt dies das Kind mit. Babys sind Sinneswesen und spüren Unruhe im Umfeld. Ausgeglichenheit und respektvoller Umgang unter den Partnern wird eine positive Auswirkung auch zur Bindung des Kindes mit sich bringen.

Attachment Parenting ab der Schwangerschaft

Sicherlich mag der Begriff Attachment Parenting den Umgang mit dem Kind beschreiben, doch handelt es sich dabei auch um eine Lebenseinstellung, eine Philosophie.

Die Schwangerschaftswochen (SSW) gehen mit vielen Veränderungen und Schwangerschaftssymptomen einher. Auch der Fötus entwickelt sich von SSW zu SSW und bis hin zur Geburt. Von der körperlichen Veränderung soll hier jedoch nicht die Rede sein.

Die Gefühlswelt der werdenden Mutter wirkt sich bereits während der Schwangerschaftswochen auf das Baby aus. Es findet eine gewisse Prägung statt, die Einfluss auf das kleine Wesen im Bauch hat. Eine Ablehnung zum Kind im Bauch hat genau so Auswirkungen auf das Baby wie eine ungebrochene Freude. Auch der Ton, wie mit dem Baby im Bauch während der Schwangerschaft gesprochen wird ist ein Faktor der eine Prägung mit sich bringt. Der Respekt zu einem Kind sollte also bereits in der Schwangerschaft beginnen. Wenn in der Schwangerschaft beispielsweise Discobesuche nicht gescheut werden, wie kann dem kleinen Nachwuchs, wenn er dann auf der Welt ist, Respekt entgegengebracht werden? Beginnt Attachment Parenting nicht also bereits in der Schwangerschaft. Attachment Parenting beginnt mit der Einstellung der Eltern. Wird das Seelenwesen und das emotionales Empfinden eines Babys bereits in der Schwangerschaft ignoriert und ad absurdum geführt, wird auch später kein großer Sinneswandel vonstatten gehen.

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