Die Vorzeitige Einschulung des Kindes in die Schule - Ein Ratgeber

Vorzeitige Einschulung

Viele Eltern machen sich heutzutage Gedanken darüber, ob es nicht sinnvoll sein könnte, sein Kind vorzeitig einzuschulen. Die Argumente dafür lauten meistens, dass das Kind schon so weit ist, schon einige Buchstaben lesen bzw. schreiben kann (oder gar Wörter und kleine Sätze), gerne mit Älteren spielt, sich im Kindergarten im letzten Jahr langweilen wird (besonders wenn es bereits als unter Dreijähriges den Kindergarten besuchte) usw.


In vielen Fällen reagieren die Erzieherinnen nicht so, wie die Eltern es sich erhoffen und plädieren darauf, das Kind noch ein weiteres Jahr im Kindergarten zu lassen - was dann verständlicherweise zu Differenzen führt und somit letzten Endes die “richtige” Entscheidung nicht gerade einfach macht.
Wir haben selbst bei unseren beiden Großen die Überlegungen angestellt, sie evtl. vorzeitig einzuschulen, und sind aus diversen Gründen und nach Gesprächen mit den Erzieherinnen davon abgekommen, worüber ich heute sehr froh bin, denn ich habe zwei sehr selbstständige Kinder, die ich nur wenig unterstützen muss, und die wirklich richtig “reif” waren für die Schule - und zwar in allen Punkten, die ich unten beschreibe. Sie hätten es anders bestimmt auch geschafft, doch ich denke, so hatten sie es weitaus leichter und sind zufriedene und glückliche Schulkinder, die evtl. mit 18 Jahren ihr Abitur in der Tasche haben werden. Ich selbst habe damals in der Grundschule eine Klasse übersprungen und fand es grundsätzlich in Ordnung, hatte aber auch zwei Schuljahre, in denen ich schwer damit zu kämpfen hatte, die Allerjüngste zu sein, und dabei ging es niemals um schulische Leistungen, sondern um das Zugehörigkeitsgefühl innerhalb der Klasse - und das kam erst weit nach der Grundschule, also zu einem Zeitpunkt, an dem man wahrscheinlich als Eltern gar nicht mehr damit rechnet, dass das Kind dann noch ein Problem mit dem “Jüngersein” haben könnte.

Um zu einer Entscheidung bezüglich einer vorzeitigen Einschulung zu kommen, ist es sinnvoll, sich folgende Punkte vor Augen zu halten (unabhängig von den reinen Schreib-, Lese- oder Rechenfähigkeiten des Kindes):

Geistige Fähigkeiten

Das heißt, dass das Kind intellektuell in der Lage sein sollte, dem Schulstoff auch folgen zu können. Im Normalfall wird dies von den Eltern daran gemessen, dass das Kind schon erste Buchstaben malt und evtl. bereits lesen und rechnen kann und sprachlich sehr weit ist. Dennoch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass dies noch lange nicht bedeutet, dass das Kind sich auch über einen längeren Zeitraum ausdauernd mit einer Sache beschäftigen kann. Schreiben, lesen und rechnen lernt das Kind ohnehin in der Schule - die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, sollte es hingegen vor Eintritt der Schule haben. Dabei sollte man auch nicht außer Acht lassen, dass es weitaus einfacher ist, sich mit einer Sache ausdauernd zu beschäftigen, wenn man sich zu Hause in der sicheren Umgebung befindet, in der man auch die nötige Ruhe findet. Sich innerhalb einer Gruppe zu konzentrieren, ist garantiert schwieriger. Stellen Sie sich einfach mal selbst vor, wie es Ihnen geht, wenn Sie sich auf einen Vortrag konzentrieren, der für Sie viele neue Informationen enthält, und um sie herum raschelt einer mit Papier, der nächste tuschelt mit seinem Nachbarn usw. So ähnlich wird es ihrem Kind in der Schule auch gehen, von daher sollte gerade die Konzentrationsfähigkeit gut ausgebildet sein, damit es sich nicht zu sehr vom drumherum ablenken lässt.
Fragen Sie doch die Erzieher(innen) gezielt danach, wie ihr Kind sich bei Gruppenarbeiten verhält - ob es Sachen zu Ende bringt, auch wenn andere Kinder bereits aufspringen und Neues beginnen usw.

Soziale Kompetenz

Das Kind sollte in der Lage sein, sich behaupten zu können - und zwar nicht nur im bekannten Umfeld zu Hause, sondern auch innerhalb einer größeren Gruppe. Es sollte nicht allzu zaghaft sein, wenn es z.B. im Morgenkreis seine Meinung kund tun soll. Hat es den Mut, vor mehreren Kindern etwas zu sagen? Es muss mit Missgeschicken klar kommen, mit leichter Kritik, mit kleinen Streitigkeiten zwischen Mitschülern, mit Enttäuschungen, weil vielleicht die liebste Freundin auf einmal neben einer anderen sitzen möchte. Es muss ein hohes Maß an Selbstständigkeit mitbringen, es muss Regeln einhalten können und zuhören können. Und… es sollte auch vertreten und klar begründen können, warum es etwas nicht tun mag. Das ist im Normalfall im letzten Kindergartenjahr der Fall - und genau dann fangen viele Kinder auch an, sich vom Kindergarten zu lösen bzw. manche Dinge langweilig zu finden. Genau dies ist die Angst, die Eltern immer haben, eben, dass es ihrem Kind im Kindergarten zu langweilig wird. Aber vielleicht sollte man sich mal die Frage stellen, was so schlimm an dieser vermeintlichen Langeweile ist - für das Kind ist der Kindergarten ein vertrauter Ort, indem es jede Woche viel Zeit verbringt.

Auch zu Hause wird dem Kind bestimmt ab und zu mal langweilig - aber zieht man deshalb gleich um, oder sucht dem Kind neue Freunde? Ich denke, dass dieses “Entdecken der Langeweile” auch ein wichtiger Entwicklungsschritt ist, und dem Kind auf keinen Fall schadet - im Gegenteil, dann wird es nämlich die Erzieher(innen) herausfordern, die dann natürlich auch aktiv werden sollten. Ab diesem Zeitpunkt freut sich das Kind doch richtig auf das Neue und ist voller Tatendrang, es dann auch endlich erfahren zu dürfen. Da wird dann die Freude auf das Neue weitaus größer sein als die Angst vor dem Ungewissen im Schulalltag. Ein Kind vorzeitig in die Schule zu schicken, mit der Begründung, dass es langweilig werden könnte, ist für mich kein Argument. Warum sollte das Kind diese Langeweile nicht erfahren? In einem guten Kindergarten werden die Erzieher(innen) auch auf der richtigen Weise damit umgehen - warum sollten sie das Kind nicht motivieren können, wieder spannende Sachen zu entdecken?


Noch dazu hat das Kind so die Möglichkeit, mal zu erfahren, wie es ist, mal zu den “Größten” und Ältesten zu gehören - bevor es in der Grundschule wieder zu den “Kleinen” gehört. Bei einem Kind, was vorzeitig eingeschult wird, muss auch das Selbstbewusstsein entsprechend groß sein, um mit der Situation klar zu kommen, eines der Allerjüngsten an der Schule zu sein. Manche Kinder meistern das ohne Probleme, andere brauchen eine ganz Weile, um sich hier zurecht zu finden. Versetzen Sie sich in Ihr Kind und stellen Sie sich vor, wie es sich inmitten einer Gruppe von Kindern fühlen wird, die in bestimmten Bereichen (motorisch, von der Körpergröße, von der Entwicklung) einen Schritt weiter sind. Kann ihr Kind damit umgehen, sich auf seine Stärken besinnen und einen anerkannten Platz innerhalb dieser Gemeinschaft finden? Trauen sie ihm das zu?
Was auch zu diesem Punkt zählt, ist für mich die Freundschaft zu anderen Kindern - Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass Freundschaften in der Schule komplett neu sortiert werden.

Vermeintlich dicke Freunde aus Kindergartenzeiten leben sich plötzlich in der Schule komplett auseinander (vielleicht, weil innerhalb einer Klasse ein größeres Angebot an Gleichaltrigen vorhanden ist als innerhalb einer Kindergartengruppe). Wenn das Kind wirklich nur mit den Älteren spielt und sich für Gleichaltrige innerhalb der Kindergartengruppe kaum interessiert, ist dies bestimmt mit zu berücksichtigen, sollte aber keinesfalls das gewichtigste Argument bei der Entscheidung für oder gegen eine vorzeitige Einschulung sein. Nur weil die “beste” Freundin den Kindergarten verlässt, heißt das noch lange nicht, dass Ihr Kind deswegen ein komplett unglückliches letztes Kindergartenjahr verbringen wird. Beobachten Sie ihr Kind und fragen Sie nach, ob die Freundschaft zu anderen Kindern im Kindergarten-Alltag wirklich so intensiv ist - eine gute Freundschaft bleibt auch trotz unterschiedlicher Klassen oder Gruppen erhalten (die meines Sohnes überlebte nach nur einem gemeinsamen Jahr im Kindergarten sowohl die Zuordnung in Parallelklassen als auch unseren Umzug über 500 km Entfernung).

Die körperlichen Fähigkeiten

Hierzu zählen die motorischen Fähigkeiten und die damit verbundene Selbstständigkeit, die körperliche Stabilität und das Hör- und Sehvermögen. Das Kind sollte in der Lage sein, einen Stift in der richtigen Haltung zu führen, Formen und Farben zu erkennen und auch aufmalen zu können, es sollte grobmotorisch geschickt sein und sich in seinen Bewegungen sicher sein. Denken Sie daran, dass gerade bei diesem Punkt die älteren Kinder schon mehrere Schritte weiter sein können als ihr Kind und es das Selbstbewusstsein haben muss, mit dieser Entwicklungslücke klar zu kommen und sich vielleicht mehr anstrengen muss, um das gleiche Ziel zu erreichen. Schule ist in den ersten Wochen auch körperlich anstrengend. Schulkinder müssen einerseits in der Lage sein, ihren Schulranzen und vielleicht noch den Turnbeutel den Schulweg tragen zu können, ohne gleich zu ermüden, andererseits aber auch nach diesem Schulweg noch in der Lage sein, dem Unterricht zu folgen.

Als mein Sohn die ersten Wochen nach vier Stunden Unterricht nach Hause kam (und er war knapp 6 3/4, zwar zart aber “zäh”, als er in die Schule kam), war er zunächst regelrecht “geschlaucht” - man merkte ihm sichtlich an, dass dieser kleine Körper eine Menge geleistet hatte - sowohl geistig als auch körperlich. Obwohl der Schulalltag zunächst mit vier Unterrichtsstunden weitaus kürzer war als ein Tag im Kindergarten, war er weitaus erschöpfter als er es jemals nach einem Tag im Kindergarten war. Diesen Aspekt sollte man nicht vergessen, wenn man ein Kind vorzeitig einschult.
Und zu guter Letzt sollte man sich fragen, ob man die Zeit und die Muße hat, eine intensivere Unterstützung zukommen zu lassen, wenn es Startschwierigkeiten hat, ob man dem Kind zutraut, auch zu Hause selbstständig an seine Hausaufgaben zu denken und diese zügig zu erledigen usw. Wenn man hinsichtlich all der oben genannten Punkte keine Bedenken hat, sollte man die vorzeitige Einschulung wagen - allerdings nach genauer Rücksprache mit den Erzieherinnen. Denn die sehen ihr Kind tagtäglich in einer großen Gruppe agieren, und somit in einer “schulähnlichen” Situation. Sie hingegen sehen nur die Fähigkeiten, die Ihr Kind zu Hause in einer kleinen, geschlossenen und vertrauten Gemeinschaft hat. Das ist ein himmelweiter Unterschied und sollte auf keinen Fall unberücksichtigt bleiben.

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