Sonntag, 17. Januar 2021

Warum Gedächtnistraining bereits im Kleinkinderalter Sinn macht

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Das menschliche Gehirn entwickelt sich im Laufe des Kinderlebens, und zwar rasant. In den ersten Lebensjahren werden die neuronalen Grundlagen für das ganze zukünftige Leben gelegt. Diese Entwicklung sollte positiv unterstützt werden. Wer es unterlässt, in dieser Zeit sein Kind zu fördern, verpasst eine große Chance. Kinder können lernen, sich für das Lernen zu faszinieren.



Das Gehirn eines Neugeboren weist ähnlich viele Neuronen auf, das sind Nervenzellen, wie ein Erwachsener, rund 86 Millionen. Der Unterschied ist die beim Baby noch mangelnde Verknüpfung der Nervenzellen zu einem neuronalen Netzwerk. Diese Verknüpfungen, die sogenannten Synapsen, entstehen durch Stimulierung der Neuronen von außen. Durch das Tasten, Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken werden Nervenverbindungen geschaffen und wieder umsortiert, je nach Erleben des Kindes. Es ist ein Selektions- und Optimierungsprozess, der durch die schon bald nach der Geburt einsetzende Erkundung der Umwelt angeregt wird. Dieser Prozess kann vorsichtig gefördert werden.

Die nachgeburtliche Entwicklung des menschlichen Gehirns


Das Gehirn funktioniert durch die Interaktion vernetzter Neuronen. Die Verknüpfung erfolgt durch Synapsen. Sie sind die Verbindungsstellen, durch die die Nervenzellen miteinander in Kontakt sind und über die die Informationen übertragen werden. Bei einem erwachsenen Menschen liegt die Zahl der Synapsen bei 100 Billionen, dabei schwankt die Zahl der Synapsen pro Neuron zwischen einer und 200000. Bei der Geburt sind es durchschnittlich nur etwa 2500 pro Nervenzelle. Bei einem Baby liegt die Anzahl der Synapsen pro Neuron bei 15000. Ein zweijähriges Kind hat so viele Synapsen wie ein Erwachsener und ein dreijähriges Kind sogar doppelt so viele.



Die riesige Zahl an Synapsen bei Kleinkindern zeigt an, dass die Anpassungsfähigkeit und die Lernfähigkeit des Gehirns in diesem Alter enorm hoch sind. Diese sogenannte Synaptogenese, also die Bildung von Synapsen, vollzieht sich bis zum zehnten Lebensjahr. Danach beginnen sie sich wieder abzubauen. Es kommt zu einer Synapseneliminierung, die bis zur Pubertät anhält. Dabei gilt: Die stabilen, also aktiven Verbindungen bleiben erhalten, die anderen werden eliminiert. Damit Synapsen stark sind, müssen sie trainiert und beansprucht werden. Wenn sie nicht stimuliert werden, verkümmern sie. Die Entwicklung des Gehirns wird also ganz stark von seiner Umwelt mitbestimmt. Deswegen ist ein Gedächtnistraining gerade im Kleinkinderalter sinnvoll. Das Gehirn eines Erwachsenen ist kaum noch veränderbar oder formbar.



Bis zum sechsten Lebensjahr wachsen das Gehirn und sein neuronales Netzwerk rasant. Später lässt die Geschwindigkeit nach. Die Entwicklung verlangsamt sich. Abgeschlossen ist sie um das 20. Lebensjahr herum. Diese Tatsache lässt sich auch anhand des Energiebedarfs nachweisen. Das Gehirn eines Erwachsenen verbraucht „nur“ etwa 20 Prozent des Grundumsatzes. Das Gehirn eines Neugeborenen aber 50 Prozent. Der Energiebedarf ist also immens, was nicht verwundert, denn schließlich entstehen bis zum Erwachsenenalter Nervenbahnen in einer Gesamtlänge von gut 5,8 Millionen Kilometer.

Gedächtnistraining für Kleinkinder


Kleinkinder im Alter von zwei und drei Jahren haben ein unglaublich großes Potenzial. Wenn in diesem Alter ein umsichtiges Gedächtnistraining gestartet wird, können die Kinder ein Leben lang davon profitieren. Im Kleinkinderalter lernt das Gehirn ununterbrochen. Alles wird regelrecht aufgesogen und neurologisch abgebildet. Die Nervenbahnen und ihre Verknüpfungen wachsen, verändern und optimieren sich.



Wenn dieses Wachstum sinnvoll durch ein Gedächtnistraining unterstützt wird, wird es dem Kind in der Schule wesentlich leichter fallen zu lernen. Denn Lernen hat nur dann nachhaltige Wirkung, wenn ein gutes Gedächtnis dafür sorgt, das Gelernte bei Bedarf auch abrufen zu können. Sind die Nervenbahnen für ein Gedächtnis schon gelegt, können sie einfach genutzt und müssen nicht erst in der Vorschule oder in der Grundschule geschaffen werden. Die Kinder haben von Anfang an Erfolgserlebnisse, die wiederum dafür sorgen, dass das Lernen Spaß macht. Auf diese Weise entwickelt sich quasi ganz von selbst ein positiver Kreislauf.

Ein gutes Gedächtnis


Neugeborene und bis zu sechs Monate alte Babys haben ein Gedächtnis, das rund einen Tag anhält. Für ein Baby sind 24 Stunden an Erinnerung ausreichend. Es erkennt seine Mutter, wenn sie regelmäßig nach ihm schaut. Ältere, bis zu neun Monate alte Babys können sich etwa einen Monat lang an etwas erinnern. Im Laufe der Zeit nimmt das Erinnerungsvermögen zu, parallel zur Ausbildung von Neuronenbahnen.





Ein Kleinkind ist in der Lage, eine Fremdsprache zu erlernen. Die Vokabeln dazu werden in einem bestimmten Teil des Gehirns, dem Gedächtnis, hinterlegt und können mittels speziell dafür ausgebildeten Neuronenbahnen bei Bedarf angezapft werden. Damit diese speziellen Nervenbahnen ausgebildet werden können, muss die Fremdsprache gesprochen und somit das Gehirn trainiert werden. Aus diesem Grund lernen kleine Kinder quasi spielend eine zweite Muttersprache. Die Eltern sprechen in zwei Sprachen und das Kind hört zu, antwortet, lernt und legt das Gelernte im Gedächtnis ab. Kinder, die erst in der Schule eine zweite Fremdsprache lernen, tun sich damit wesentlich schwerer. Sie müssen zunächst einmal die dafür notwendigen Neuronenbahnen anlegen, bevor sie sie nutzen können.

Gedächtnistraining für das ganze Leben


Es gibt verschiedene Formen von Gedächtnissen, die unterschiedlich trainiert werden können: das auditive, das visuelle oder auch das körperliche. Sie können trainiert werden, indem die Kinder zum Zuhören und Mitlesen oder Mitspielen animiert werden. Es gibt eine große Auswahl an Lernspielen und speziellen Kinderbüchern, die dafür konzipiert wurden. Die Kleinen erinnern sich daran, wie die Wörter aussehen und sich anhören, können kombinieren und haben erste Erfolgserlebnisse. Ihre Auffassungsgabe wird immer besser und Lesen, Schreiben und Rechnen wird einfacher.



Dieser positive Effekt ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Es ist aber wichtig, dass das Gedächtnistraining ohne Leistungsdruck durchgeführt wird. Denn Angst kann die Lernfähigkeit massiv blockieren. Dann bleiben trotz Übungen die Erfolgserlebnisse aus und das Selbstwertgefühl des Kindes nimmt Schaden.



Nur wenn das Gehirn gefordert wird, werden zwischen den Nervenzellen neue Verbindungen hergestellt und ein Netzwerk gebildet. Geistige Inaktivität, auch bei kleinen Kindern, baut keine neurologischen Verbindungen auf, sondern baut die ungenutzten Synapsen ab. Aus diesem Grund sollten Kinder lernen, Neues und Unbekanntes kennenzulernen, zu erforschen und neugierig zu sein. Dadurch werden immer wieder andere Teile des Gehirns aktiviert.



Routine und Langeweile hingegen sorgen auch im Gehirn für einen gewissen Stillstand. Jedenfalls werden keine neuen Verknüpfungen hergestellt, sondern lediglich die schon vorhandenen genutzt. Schon vorhandene Nervenbahnen bieten sich an, drängen sich regelrecht auf. Es ist sehr mühsam, sich aus der Routine herauszubewegen und das Denken und die damit zusammenhängenden Fähigkeiten in neue Bahnen zu lenken. Jeder Erwachsene kann ein Lied davon singen. Je früher Kinder zur Abwechslung hingeführt werden, desto einfacher werden sie es im Leben haben.

 

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